Etikette der Krawatte

Man könnte denken, dass heutzutage Krawatten nur noch in der Geschäftswelt einen Platz haben und sich in anderen Situationen erübrigen. Es ist aber ganz andersl: Bis auf (eigene) sportliche Aktivitäten oder rauhe Arbeitbedingungen gibt es eigentlich keine Situation, in der eine Krawatte unangebracht sein könnte. Das Tragen einer schönen bzw. passenden Krawatte bereitet Freude und verleiht Sicherheit.
Daher lohnt es sich, etwas über Krawatten und mögliche Kombinationsmöglichkeiten nachzudenken.
 
Den meißten Männern stellt sich jeden Morgen die nicht immer leichte Aufgabe, eine Krawatte auszusuchen, um je nach Laune und Umständen Vertrauen erweckend, unauffällig-elegant oder doch anziehend zu wirken. Es gibt auch Tage, an denen ein Geschäftsmeeting ebenso bedacht werden muss, wie die abendliche Verabredung.
Egal, was Sie auch vorhaben, es ist ganz einfach: Die ausgewählte Krawatte muss mit Ihrem Hemd und dem Anzug bzw. Jacket harmonieren.
 
Ganz einfach? So einfach ist es nun leider doch nicht, sodass wir Ihnen hier eine kleine Einführung in die Etikette der Krawatte geben möchten. Wenn Ihnen im Folgenden einige Hinweise neu sein sollten, machen Sie sich keine Gedanken, Sie sind in bester Gesellschaft. Wenn z.B. Angehörige des Britischen Adels trè élégante Ihren Champagner in Ascot nehmen, hat Ihnen mit ziemlicher Sicherheit ein Butler Sommer-Anzug und Krawatte herausgesucht. Eine Kleider-Auswahl herauszulegen gehört zu den ureigensten Anforderungen an einen Butler und ist Teil der Ausbildung.
 
 
Die Krawatte - Persönlichkeit & Harmonie
 
Wenn zwei Frauen sich im gleichen Kleid begegnen müssen es schon sehr gute Freundinnen sein, um erhlich darüber lachen zu können - für alle anderen ist der Abend gelaufen.
Wenn sich aber zwei Männer mit der gleichen Krawatte begegnen, ist es wahrscheinlich, dass man sich auf Anhieb sympathisch ist, weil man in dem anderen das gleiche vermuten darf, was einem selber dazu gebracht hat, genau diese Krawatte auszuwählen: Die Persönlihckeit. Man hat einen Verbündeten gefunden, der den gleichen Geschmack teilt.
Der Anlass, das restliche Outfit und eben die Persönlichkeit sind massgeblich für die Wahl einer Krawatte, sodass sich keine wissenschaftliche Regel aufstellen lässt.
Eleganz bedeutet eine subtile Mischung aus Originalität und Konvention. Die Kunst, eine Krawatte auf alle Gegebenheiten abzustimmen, besteht in der unterschiedlichen Dosierung dieser beiden Zutaten.
 
 
Grundsätzliches
1. Vermeiden Sie auf jeden Fall, ein Hemd, einen Anzug oder ein Jacket Ihr Eigen zu nennen, ohne eine passende Krawatte vorzuweisen.
2. Weißes oder hellblaues Hemd: Nahezu jede Krawatte ist geeignet.
3. Uni grauer oder dunkelblauer Anzug: Auch hier geht viel, sie können wenig falsch machen, wenn Sie die folgenden Hinweise beherzigen.
 
Farben - Kontrast und Übereinstimmung als Gefühlssache
4. Es gibt Farben, die man anderen überlassen sollte: Knallrosa, Apfelgrün und Kanariengelb.
5. Die Krawatte sollte einen zumindest leichten Kontrast zum Hemd bilden, damit sie wahrgenommen wird.
6. Sie liegen also nicht falsch, wenn Sie verschiedene aber vereinbare Farben gegenüberstellen. Komplementärfarben liegen im Farbkreis entsprechend angeordnet und können bei einer ausgewogenen Abstimmung ein angenehmes Ergebnis bringen: Blau-Orange, Gelb-Violett, Rot-Grün.
Etwas zurückgenommen wird der Kontrast bei Grundfarben, die auf Mischfarben treffen: Rot-Braun, Blau-Grün, Gelb-Orange.
Ihnen ist sicher klar, dass Sie nicht ermuntert sind, sich nun ein rotes Hemd und eine rein-braune Krawatte, oder einen gelben Anzug mit einer violetten Krawatte zuzulegen. Die Hinweise beziehen sich auf die sichtbaren, aber zurückhaltenden und ausgewogenen Zitate des Sackos oder Hemdes auf der Krawatte.
7. Also keine großflächigen Ton-in-Ton-Experimente: Rosa & Rot, Marineblau & Hellblau
8. Eine harmonische Wirkung stellt sich aus der Zusammenstellung von mindestens drei Farbtönen heraus. Zu einem einfarbigen Hemd passt eine zweifarbige Krawatte. Wenn es Ihnen gelingt, dass die Hintergundfarbe der Krawatte einen Kontrast zum Hemd bildet, dabei aber Muster oder Streifen der Krawatte die farbliche Idee des Hemdes aufgreifen, haben Sie die richtige Wahl getroffen.
Beispiel: Hellblaues Hemd - Orangerote oder rote Krawatte mit dunkelblauem Muster
 
Muster - Mehr Logik als Kunst
9. Die Seriösität einer Krawatte nimmt mit der Größe von Mustern ab. Vermeiden Sie übergroße Motive.
10. Muster von Hemd und Krawatte dürfen weder verschmelzen noch sich beißen. Der Kontrast soll gewahrt bleiben.
11. So können Krawatte und Hemd durchaus gestreift sein, wenn die Streifen unterschiedlich breit sind.
12. Streifen harmonieren darüberhinaus sehr schön mit einfarbigen Stoffen.
13. Dagegen beißen sich ähnliche Muster. Muster sind ähnlich, wenn sie gleichsam komplex, asymmetrisch oder lebhaft sind. Aber auch verschiedene Konzepte passen einfach nicht zusammen: Jagdmotive auf der Krawatte in Kombination mit einem Nadelstreifenanzug, wäre ein Besipiel für eine nicht gelungene Kombination. Aber auch hoch-seriöse, z.B. feingepunktete Krawatten wollen einfach nicht mit lässigen Tweedjackets zusammen passen.
14. Wenn sich Muster nicht grundsätzlich beißen, sollte man noch darauf achten, dass die Dimensionen der Muster auf Jacket, Hemd und Anzug ähnlich sind.
15. Streifen und Punkte passen gut zusammen, wenn die Größenverhältnisse stimmen.
16. Verinnerlichen Sie am besten, dass man nicht entgegengesetzte Konzepte angehen soll. Man kann einfach nicht exzentrisch und seriös zugleich, sportlich und gleichzeitig förmlich sein.
 
Stoffe - Haptik & Optik
17. Kombinieren Sie vergleichbare Stoffe. So, wie es nicht gleichzeitig Sommer und Winter geben kann, sollte ein Wollkrawatte nicht zu einem Leinenjacket herausgesucht werden - oder umgekehrt.
18. Auch die Webart der Krawatte sollte mit der Webart anderer Stoffe harmonieren. Eine eher glänzende Satinkrawatte passt zu einem glatten edlen Anzug, aber weniger zu rauer Wolle. Dagegen würde Wildseide herovrragend zu Leinen passen.
19. Eine auffällig gemusterte Jacquardkrawatte passt besser in das private Umfeld, während bedruckter Twill oder Satin wiederum in der Beruwfswelt gut aufgehoben sind.
 
Kragen - Einheit mit der Krawatte
20. Der Krawattenknoten muss sich harmonisch in den Kragenwinkel einpassen.
21. Der amerikanische geknpfte Kragen verträgt sich sehr gut mit lässigeren, sportlicheren Krawatten, also einem Tartanmuster, einer Club- oder Strickkrawatte.
22. Kragen, die den Krawattenknoten hervortreten lassen, sind nicht für breite oder dicke Krawatten gedacht.
23. Dagegen passen schmale, dünne Krawatten nicht in weitgeöffnete italienische Kragen, wenn man die Lücke nicht durch einen voluminösen Knoten wettmachen kann.
 
Anlaß - Wahre Eleganz ist weniger weit vom Schlichten entfernt als falsche
24. Gedeckte Farben wirken dezenter und zurückhaltender als lebhafte.
25. Die Krawatte wirkt umso korrekter, je weniger Farben sie vereint.
26. Kleingemusterte Stoffe sind »vornehmer«  als große Muster.
27. Auf Beerdigungen erscheint man nur mit einer einizgen, der schwarzen Krawatte. Ebenso gebieten andere Anlässe, die Krawatte sorgsam zu wählen. Bei einer ungezwungenen Zusammenkunft, verbietet sich eine strenge oder vornehme Krawatte. Ebenso ist eine buntegemusterte, eine seidenbedruckte, eine Club- oder Strickkrawatte nicht bei förmlichen Terminen zu riskieren.
28. Im Büro eher Seidendruck - in abendlicher Gesellschaft eher Jacquard.
29. Wolle zwischen Herbst und Frühling.
30. Leinen- und Baumwollkrawatten ab Frühling bis Herbst und dann nur in freundschaftlicher Gesellschaft.
31. Zum Smoking gehört der schlichte einfarbige Querbinder.
32. Zum Frack die weiße Schleife aus Baumwollpiquet.
 
 
Worüber kann man sich noch Gedanken machen?
 
Pullover & Krawatte?
Der Klassiker ist sicher der V-Ausschnitt, zu dem eine Krawatte, vorzugsweise eine Fliege getragen wird. Ein großer Dandy des letzten Jahrhunderst - Gianni Agnelli - trug Krawatten auch zum rundausgeschnittenen Pullover und prägte seinen eigenen Stil, den Golfatta.
Sehen Sie sich als selbstbewussten Ästheten oder erkennen in sich einen italienischen Großindustriellen? Dann tun Sie sich keinen Zwang an und kombinieren Sie nach Lust und Laune.
 
Jeans & Krawatte?
Warum nicht? Eine Jeans ist lässig und dazu passt eine lässige Krawatte, z.B. in schwungvollen Phantasiemustern. Eine reine Business-Krawatte ist nicht angeraten.
 
Herrenkrawatten für Frauen?
Ja, aber bitte keine halben Sachen! Wenn das Spielchen bis zum Ende gespielt wird und Hemd, Jacket und Hose mit von der Partie sind und souverän abgestimmt sind, kann das Ergebnis mysteriös, verlockend und geheimnisvoll sein.
 

Marlene Dietrich mit Krawatte und Anzug, umringt von männlichen Bewunderern.